Fit für die Zukunft

Die nächste Krise kommt bestimmt

Vorbereiten, kommunizieren, managen.

19. November 2018, 18:00 Uhr, Dresden

Nachberichterstattung

Kommunikation schafft Vertrauen

Bei „Fit für die Zukunft“ am 19. November 2018 ging es um Krisen, die Unternehmen treffen können. Auf dem Podium haben zwei Unternehmer berichtet, wie sie eine Krise gemeistert haben und welche Rolle dabei die Kommunikation gespielt hat.

„Jede Krise beinhaltet auch immer eine Chance!“ Dr. Marcus Bertelsmeier sagt das persönlich durchlebt. Die Krise, von der er spricht, brach ganz plötzlich über das Familienunternehmen Agrartechnik Vertrieb Sachsen GmbH herein: Ende Oktober 2014 erlitt der Vater von Marcus Bertelsmeier mit 71 Jahren einen tödlichen Herzinfarkt. Er war bis dato alleiniger Chef des 1990 von ihm in Ebersbach bei Dresden gegründeten Handelsunternehmens für Landtechnik. Vorsorgevollmachten? Geschäftsführer-Befugnisse für Marcus Bertelsmeier und seinen Bruder? „Die gab es nicht. Das Thema Nachfolge wurde über Jahre geschoben.“ Heute weiß Marcus Bertelsmeier, wie blauäugig das war. Denn plötzlich war das bis dahin gut gehende Familienunternehmen mit 120 Mitarbeitern ein Schiff ohne (legalen) Steuermann.

Krisen können jederzeit jeden treffen

Das Beispiel der Agrartechnik Vertrieb Sachsen GmbH zeigt: „Krisen können zu jeder Zeit jeden treffen – ganz gleich, ob Mittelständler oder Großkonzern“, so der Kommunikationsexperte Norbert Minwegen am 19. November 2018 abends in Dresden. Schneider + Partner hatte zu seiner erfolgreichen Veranstaltungsreihe „Fit für die Zukunft“ geladen. Das Thema diesmal: „Die nächste Krise kommt bestimmt – Vorbereiten, kommunizieren, managen.“ 165 Gäste kamen ins Dresdner Hilton Hotel. „Das große Interesse zeigt, dass sich Unternehmen der potenziellen Gefahr von Krisen bewusst sind“, sagt Knut Michel, Mitglied der Geschäftsführung bei Schneider + Partner zu Beginn. Doch, Bewusstsein bedeutet noch keine Vorbereitung. So zeigte eine Live-Umfrage unter den Teilnehmern, dass nur knapp 24 Prozent ein Krisenhandbuch für ihr Unternehmen haben.

Ein Beitrag von Dresden TV über den Veranstaltungsabend:

Fotos vom Veranstaltungsabend (zur Galerie hier klicken):

Transparenz durch Kommunikation

Wie wichtig schnelles und strategisches Handeln in einer Krise ist, weiß Burkhard Jung von der Restrukturierungspartner jwt GmbH & Co. KG aus seiner Berufserfahrung als Sanierungsberater. „In der Krise verliert der Unternehmer das Vertrauen von Banken, Lieferanten, Mitarbeiter usw. Das ist nur durch Transparenz zu verhindern. Und Transparenz schafft man durch Kommunikation.“

Diese Erfahrung hat auch Dr. Marcus Bertelsmeier gemacht. Denn, bis der von ihm und seinem Bruder gestellte Antrag auf eine Notgeschäftsführung in Eigenregie genehmigt war, gingen sechs Wochen ins Land. Alles, was er bis dahin tun konnte, war, offen mit Mitarbeitern, Lieferanten, Kreditinstituten etc. über die nächsten Schritte zu reden.

Krise meistern mit Beratern an der Seite

Unzählige Krisen-Gespräche führte auch Dr. Olaf Hansen. Im November 2014 begann er als Geschäftsführer bei der NARVA Lichtquellen GmbH in Brand-Erbisdorf. Er merkte schnell, dass sich der Leuchtstofflampenproduzent in finanzieller Schieflage befand. Doch wie so oft in solchen Fällen verschloss der Gesellschafter die Augen davor. Ein Jahr später stand das Unternehmen vor der Insolvenz. Olaf Hansen zog sie mittels Schutzschirmverfahren in Eigenregie durch und stellte das Unternehmen, mit Unterstützung von Beratern, auf neue Beine. Zwei Drittel der Fertigung wurden eingestellt. Von den 450 Mitarbeitern blieben 135 übrig. Mit vielen der Mitarbeiter hat Olaf Hansen persönlich gesprochen. „Das war hart, stand ich doch ziemlich allein da.“ Er hat daraus gelernt: „Heute habe ich eine gute Führungscrew um mich.“

In der Krise Kommunikation selbst steuern

Doch nicht nur nach innen, auch nach außen haben Olaf Hansen und seine Berater den Verlauf der Insolvenz bis hin zum Neustart kommuniziert. Angepasst auf die jeweilige Zielgruppe wurden Pressemitteilungen und Schriftsätze veröffentlicht. Dazu sagt der Dresdner Kommunikationsprofi Ulf Mehner von der WeichertMehner Unternehmensberatung für Kommunikation GmbH & Co. KG: „Sobald eine Krise die Öffentlichkeit und damit die Medien interessiert, muss ein Unternehmen die Kommunikation steuern.“ Aus seiner Arbeit mit Unternehmen weiß er, „dass Krisen eine an die konkrete Situation angepasste sensible, schnelle und zielgruppengerechte Kommunikation benötigen. Auf diese Weise lassen sich Reputationsschäden minimieren.“

Die Agrartechnik Vertrieb Sachsen GmbH und die NARVA Lichtquellen GmbH stehen heute beide wieder auf gesunden wirtschaftlichen Füßen und haben aus der Krise gelernt. Prozesse wurden optimiert – und für den Notfall liegt das Krisenhandbuch in der Schublade.

Guter Rat im Krisenfall – Ansprechpartner in Sachsen

BERATUNG

Für Unternehmen in der Krise haben der Freistaat Sachsen und die Wirtschaftskammern verschiedene Beratungs- und Förderangebote aufgesetzt:

LESETIPPS

oder per Post bestellbar beim: Publikationsversand der Bundesregierung, Postfach 48 10 09, 18132 Rostock, Telefon: 030 18272272-1, publikationen@bundesregierung.de, Artikelnummer: BMI08313

Referent + Podiumsgäste

Referent

Norbert Minwegen

Norbert Minwegen

Leiter Unternehmenskommunikation und Werbung, Sparkasse KölnBonn

Norbert Minwegen leitet seit 2007 die Unternehmenskommunikation und Werbung der Sparkasse KölnBonn. In der bundesweit größten kommunalen Finanzgruppe verantwortet er unter anderem das Issues Management sowie die Change Communication. In den Jahren 1999 bis 2002 entwickelte er als Pressesprecher der Chemieverbände NRW mit einem Leitfaden erstmalig einen Standard der Krisenkommunikation für mittelständische Chemieunternehmen. Später arbeitete er als Pressesprecher T-Mobile Deutschland im Bereich der Produktkommunikation sowie in den Themenbereichen Mobilfunk und Gesundheit. Ehrenamtlich engagiert er sich als Präsident der Deutschen Public Relations Gesellschaft, als Co-Leiter eines Kreises für Krisenexperten und Issues-Managern (DPRG AK KIM) sowie als Referent an Kommunikationsakademien und Weiterbildungseinrichtungen.

Podiumsgäste

Dr. Marcus Bertelsmeier

Dr. Marcus Bertelsmeier

Geschäftsführer Agrartechnik Vertrieb Sachsen GmbH

Der promovierte Agrarwissenschaftler Dr. Marcus Bertelsmeier trat nach Studium und Promotion 2004 zunächst als kaufmännischer Angestellter in das Familienunternehmen Agrartechnik Vertrieb Sachsen GmbH ein. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters, Firmeninhaber und Geschäftsführer, übernahm er im Spätherbst 2014 mit seinem Bruder die Geschäftsführung. Im August 2015 konnten Sie gemeinsam mit ihren Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern das 25. Betriebsjubiläum feiern. Gemeinsam „erfanden“ sie die Marke neu, entwickelten ein neues Marketingkonzept, tätigten Zukäufe und Investitionen. Heute versteht sich die Agrartechnik Vertrieb Sachsen GmbH als ein moderner Dienstleistungsbetrieb und kompetenter Vertriebspartner rund um die professionelle Landtechnik. Mit der Zentrale in Ebersbach bei Dresden, insgesamt 8 Standorten und ca. 150 Mitarbeitern ist das familiengeführte Unternehmen in der Region Sachsen und Südbrandenburg beheimatet und weit über dessen Grenzen bekannt.

Burkhard Jung

Burkhard Jung

Partner und Geschäftsführer, Sanierungsberater CMC/BDU; Restrukturierungspartner jwt GmbH & Co. KG

Burkhard Jung verfügt über seit 1990 in zahlreichen Beratungsmandaten und Insolvenzverfahren erworbene, umfassende Erfahrungen in der außergerichtlichen Sanierung, in der Sanierung in der Insolvenz (Regel-, Eigenverwaltungs- oder Schutzschirmverfahren) und im Bereich Distressed M&A. Dabei übernimmt Burkhard Jung auch häufig die operative Verantwortung im Unternehmen als Sanierungsgeschäftsführer (CRO). Jung ist Vorsitzender des Fachverbandes Sanierungs- und Insolvenzberatung des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater BDU e. V., Sanierungsberater CMC/BDU und Gründungsmitglied des Forum 270 – Qualität und Verantwortung in der Eigenverwaltung e. V.. Zudem engagiert er sich als Vorstand bei der Deutschen Tinnitus-Stiftung Charité.

Ulf Mehner

Ulf Mehner

Geschäftsführung/Managing Partner WeichertMehner Unternehmensberatung für Kommunikation GmbH & Co. KG, Dresden

Ulf Mehner ist Gründer und Managing Partner von WeichertMehner. Das Dresdner Unternehmen betreut seit mehr als zehn Jahren Organisationen und Unternehmen in Fragen der strategischen Kommunikation. Ulf Mehner berät Führungskräfte in Krisensituationen und entwickelt Strategien, um Themen zielgruppengerecht und medienwirksam zu setzen. Dazu gehört auch die Akzeptanzkommunikation für Infrastrukturprojekte und Gesetzesvorhaben. Er hat Kommunikations-, Politikwissenschaft sowie Soziologie an der TU Dresden studiert und verfügt über umfangreiche Erfahrungen im parlamentarisch-politischen Bereich. So war er bereits während seines Studiums in unterschiedlichen Funktionen im Sächsischen Landtag tätig. Als ausgewiesener Politikexperte ermöglicht er den Zugang zu Meinungsführern und politischen Entscheidern auf Landes-, Bundes- sowie auf EU-Ebene. Zudem erwarb er während eines Auslandsaufenthaltes in den USA umfangreiche Kompetenzen im Bereich Start Ups sowie in der Ansiedlungs- und Technologiekommunikation.

Dr. Olaf Hansen

Dr. Olaf Hansen

Geschäftsführer NARVA Lichtquellen GmbH + Co. KG und Geschäftsführer der Gesellschaft für Lichttechnische Erzeugnisse mbH

Dr. Olaf Hansen lebt mit seiner Familie in Freiberg. Nach seinem Elektronik-Studium und der anschließenden Promotion an der TU Dresden begann er seinen Berufseinstieg als Berater, bevor er schließlich in verschiedenen Führungsfunktionen in technischen Bereichen bei Groß- und mittelständischen Unternehmen, u.a. bei Bosch, Osram und Mettler-Toledo, tätig war. Zwei Jahre verbrachte er als technischer Geschäftsführer eines deutschen Unternehmens in Shanghai/China.

Seit 2014 gehört Olaf Hansen zur Geschäftsführung der NARVA Lichtquellen GmbH + Co. KG und seit November 2017 ist er außerdem Geschäftsführer der Gesellschaft für lichttechnische Erzeugnisse mbH in Berlin.

Bisherige Themen

Im Rahmen unsere „Fit für die Zukunft“-Veranstaltungsreihe finden zweimal pro Jahr Unternehmerseminare zu aktuellen Themen in Dresden statt. Externe Experten und erfolgreiche Vertreter aus der Unternehmerpraxis beleuchten und diskutieren das jeweilige Thema aus verschiedenen Blickwinkeln – mit besonderem Fokus auf den Chancen und Risiken, Möglichkeiten und Notwendigkeiten des Themas für KMU.

Einen Überblick über die Veranstaltungen und Themen der vergangenen Jahre finden Sie in unserem Archiv.

Der Veranstalter