Fit für die Zukunft

Wie tickt mein Unternehmen?

Erfolgsfaktor Unternehmenskultur - Eine Obstschale macht noch keine Mitarbeiterbindung

13. Mai 2019, 18:00 Uhr, Dresden

Nachberichterstattung

Wie tickt mein Unternehmen?

Ein Plädoyer für die Bedeutung der Unternehmenskultur für den wirtschaftlichen Erfolg

Der eine bringt seine Mitarbeiter dazu, unternehmerisch zu denken, indem er sie am Gewinn beteiligt und mit allen gemeinsam die Strategie des Unternehmens lebt. Die andere kommt neu in ein etabliertes mittelständisches Unternehmen und nimmt Mitarbeiter wie Führungskräfte mit auf eine Reise hin zu einem gemeinsam gelebten Wir-Gefühl – was sich dann nicht nur positiv auf die Stimmung, sondern auch auf das wirtschaftliche Ergebnis ausschlägt. Und der dritte schafft in seinem Unternehmen die Führungsebene ganz ab, nimmt alle Mitarbeiter als Entscheider mit in die Verantwortung – und hat damit auch noch Erfolg.

Es war eine interessante Runde, die am 13. Mai abends auf dem Podium im Congress Center des Dresdner Hilton Hotels saß und über die Themen Unternehmens- und Führungskultur diskutierte: Ilin Dobrew (Geschäftsführer/Managing Partner Enloc Energy GmbH, Dresden), Annett Gregor (Mitglied der Geschäftsleitung/Gesellschafterin bei compact Kältetechnik GmbH, Dresden) und Stephan Heiler (Geschäftsführer der Alois Heiler GmbH in Baden-Württemberg).

Schneider + Partner hatte abermals zu seiner erfolgreichen Veranstaltungsreihe „Fit für die Zukunft“ geladen. Das Thema diesmal: „Wie tickt mein Unternehmen? Erfolgsfaktor Unternehmenskultur – Eine Obstschale macht noch keine Mitarbeiterbindung.“ 170 Gäste waren der Einladung gefolgt, darunter zahlreiche Mandanten von Schneider + Partner aus dem Mittelstand. „Mitarbeiter zu finden und zu binden beschäftigt viele unserer Mandanten. Deshalb haben wir das Thema bei ,Fit für die Zukunft’ aufgegriffen. Wir wollen den Teilnehmern Impulse geben“, sagte Knut Michel, Geschäftsführer bei Schneider + Partner, in seiner Begrüßung.

Und Impulse in Form von Praxisbeispielen gab es reichlich. Jeder der drei Führungskräfte auf dem Podium hatte eine ganz eigene Geschichte zu erzählen. Doch immer ging es darum, wie sich ein Unternehmen – und auch dessen Führung – heute aufstellen muss, um auch in Zukunft für Mitarbeiter attraktiv und wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Dabei ging es dann auch nicht um Obstschalen, Sportstudio-Gutscheine oder Firmenwagen. „Solche Dinge werden mittlerweile in vielen Unternehmen von den Mitarbeitern erwartet“, wusste der Referent des Abends, Stephan Penning, zu berichten. Der Diplompsychologe sowie freier Berater vieler Vorstände und Manager hielt ein „Plädoyer für die Bedeutung der Unternehmenskultur für den wirtschaftlichen Erfolg“, wie er seinen Vortrag nannte. Zu Beginn brachte er Licht ins Dunkel, was der Begriff „Unternehmenskultur“ beinhaltet: „Die Unternehmenskultur ist der Charakter eines Unternehmens – die Summe der Gewohnheiten einer Organisation“, so Penning. Deshalb müsse die Frage immer lauten: Wie funktional sind diese Gewohnheiten für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens?

Hier hat Annett Georgie bei der compact Kältetechnik GmbH in Dresden angesetzt, als sie im Jahr 2016 im Zuge eines Generationswechsels Anteile an der Gesellschaft übernahm. Damals habe es in dem 1992 gegründeten mittelständischen Unternehmen kein wirkliches Gemeinschaftsgefühl und keine gelebte Identität nach innen und außen gegeben. Über Befragungen und deren Auswertung sowie in einem Strategie-Workshop mit den Führungskräften wurden diese Dinge erarbeitet und Ziele gesetzt. Heute stellt sich die compact Kältetechnik GmbH als moderner Mittelständler dar, der von Kunden und Mitbewerbern am Markt wahrgenommen wird. 2018 war das beste Wirtschaftsjahr in der Firmengeschichte. Und auf dem Tisch von Annett Georgie landen regelmäßig hochwertige Bewerbungen für freie Stellen und Lehrstellen.

Über einen Mangel an Bewerbern kann sich auch Ilin Dobrew, Geschäftsführer des Energiedienstleisters Enloc, nicht beklagen. Die 35 Mitarbeiter des stetig wachsenden Unternehmens mit Sitz in Dresden empfehlen ihren Arbeitgeber fleißig weiter – ein Zeichen für eine gute Unternehmenskultur. „Die Stimmung bei uns ist gut, auch weil wir viel miteinander reden“, so Dobrew. Zudem beteiligt er seine Mitarbeiter mit 15 Prozent am Unternehmensgewinn und informiert sie regelmäßig über Einnahmen und Ausgaben. „Seit wir das machen, denken alle wirtschaftlich mit, bringen sich ein und finden gemeinsam Lösungen für Probleme.“ Dieser Ansatz war für viele Teilnehmer von „Fit für die Zukunft“ sehr interessant, sodass einige im Anschluss für ein Gespräch auf Ilin Dobrew zugingen. Dem Enloc-Chef ist eine offene Unternehmenskultur sehr wichtig, auch im Umgang mit Fehlern. Sein Credo: „Fehler passieren – auch dem Chef. Aber man muss nur darüber sprechen und vor allem daraus lernen. Nur so werden wir stetig besser.“

Ein gefragter Gesprächspartner an dem Abend war auch Stephan Heiler. Der Chef der Alois Heiler GmbH in Baden-Württemberg, die auf individuelle Glaslösungen fürs Bad spezialisiert ist, ist nur noch „auf dem Papier“ Geschäftsführer – „weil es rechtlich sein muss“, wie er sagt. Seit er 2011 den Betrieb von seinem Vater übernommen hat, hat er alle Hierarchien und Führungsstrukturen abgeschafft. „Denn Hierarchien bremsen Motivation und Innovation“, so der Vordenker, der über seine Erfahrungen auch ein Buch geschrieben hat. Er nennt den Wandel einen „Transformationsprozess der totalen Umstrukturierung“ – den nicht alle Mitarbeiter mitgehen wollten. „Einige Führungskräfte wollten nicht auf ihre Führungsposition verzichten und sind gegangen“, berichtet Stephan Heiler. Mittlerweile führen sich die Miteinander selbst (sowie untereinander) und treffen 80 Prozent aller Entscheidungen (die den Alltag betreffen) allein. Für die anderen 20 Prozent rund um Struktur und Strategie gibt es funktionsorientierte Teams, die gemeinsam Entscheidungen treffen. „Das funktioniert erstaunlich gut und hat Entscheidungswege enorm verkürzt“, antwortet Heiler auf die Fragen aus dem Publikum, ob sich denn nicht alle in endlosen Abstimmungsrunden verstricken. Das Unternehmen laufe gut. Seit 2018 werden zehn Prozent vom Gewinn an die Mitarbeiter ausgeschüttet. Seine Rolle im Unternehmen sieht er als Katalysator, Mediator, Vordenker und Mentor. „Ich komme dazu, wenn Mitarbeiter mich bei Gesprächen dabei haben wollen, ansonsten kümmere ich mich um Zukunftsthemen für das Unternehmen.“

Die drei Beispiele an dem Abend von „Fit für die Zukunft“ zeigten: Es gibt keine einheitliche Unternehmenskultur und nicht DEN EINEN Prozess für ihre Entwicklung. „Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Weg finden – und jedes Unternehmen hat die Voraussetzungen, es zu tun“, so Stephan Penning. Gefragt nach „Tipps“ zu den ersten Schritten hin zu einer positiven Unternehmenskultur nannte er drei Punkte:

  1. Harte Fragen zu den harten Fakten stellen: Basis der „Kulturarbeit“ im Unternehmen ist es, die Bilanzen und Zahlen im Blick zu haben. Nur so sieht man, wo es klemmt und wo man ansetzen muss.
  2. Nicht mit Leitbildern aufhalten: Die aufwändige Erarbeitung von Leitbildern ist, laut Penning, verschwendete Zeit – stattdessen konkret werden: Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Und wie machen wir das?
  3. Schrittweise vorgehen und Mitarbeiter einbinden: Ein Wandel in der Unternehmenskultur ist ein Prozess, der Schritt für Schritt gestaltet werden muss. Auf diese „Lernreise“ müssen die Mitarbeiter bei jedem Schritt mitgenommen werden. Regelmäßige und offene Kommunikation ist hierbei wesentlich.

Im nächsten „Teamgeist“ (Ausgabe 01/2019), dem Mandanten-Magazin von Schneider + Partner, wird ausführlich über die Veranstaltung „Fit für die Zukunft“ berichtet – inklusive eines Beitrages von Stephan Penning und einem Interview mit Stephan Heiler. Der „Teamgeist“ erscheint Anfang Juli und ist dann auch online einsehbar unter: https://www.schneider-wp.de/de/aktuelles/teamgeist/

Ein Beitrag von Dresden TV über den Veranstaltungsabend:

Bilder vom Veranstaltungsabend

Referent + Podiumsgäste

Referent

Stephan Penning

Stephan Penning

Geschäftsführender Gesellschafter Penning Consulting

Stephan Penning ist seit zehn Jahren Geschäftsführender Gesellschafter von Penning Consulting. Zuvor war er für verschiedene deutsche Personalberatungen tätig, unter anderem bei Kienbaum Management Consultants. Der Diplompsychologe berät Vorstände, Geschäftsführer und Top-Management im Bereich Change-Management, Diagnostik und Management Development.

Als einer der „führenden Berater für zeitgemäßes Veränderungsmanagement“ (Personalwirtschaft) baut er gemeinsam mit Führungskräften und Mitarbeitern Veränderungskompetenz in Unternehmen auf und bringt Change-Prozesse nachhaltig zum Erfolg. Penning Consulting sicherte sich 2018 zum wiederholten Mal die Auszeichnung „Beste Berater“, vergeben vom Wirtschaftsmagazin brand eins. Mehr Informationen auf www.penning-consulting.com.

Podiumsgäste

Annett Gregor

Annett Gregor

Leiterin Personal & Marketing / Mitglied der Geschäftsleitung / Gesellschafterin bei compact Kältetechnik GmbH, Dresden

Annett Gregor ist Mitglied der Geschäftsleitung und Gesellschafterin bei compact Kältetechnik und verantwortet das Personal und Marketing. Das Dresdner Unternehmen hat sich seit 1992 erfolgreich am Markt etabliert und ist heute einer der führenden Hersteller energieeffizienter und zukunftssicherer Kältemaschinen in Deutschland. Das Unternehmen konzipiert und produziert Kältesätze für nahezu alle Einsatzbereiche aus einer Hand – sowohl individuell angepasste Sonderlösungen als auch Standardprodukte und Energiekonzepte. An den beiden sächsischen Standorten in Dresden und Drebach/Scharfenstein arbeiten gegenwärtig rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Im Jahr 2016 übernahm Annett Gregor im Zuge eines Generationswechsels Anteile an der Gesellschaft. Seitdem verstärkt sie die Geschäftsleitung um die beiden geschäftsführenden Gesellschafter Lutz Hering und Frank Poschmann. Sie studierte Politikwissenschaft, Erziehungswissenschaft/Erwachsenenbildung sowie Soziologie an der TU Dresden und verfügt über umfangreiche Erfahrungen im Personalmanagement. Berufliche Stationen führten Sie über Personalberatung in München später auch in Konzernstrukturen wie T-Systems MMS in Dresden, bevor sie Anfang 2015 in die compact Kältetechnik GmbH eintrat. Seitdem überträgt sie erprobte Konzepte in pragmatische und für ein mittelständisches Unternehmen passende Lösungen.

Ilin Dobrew

Ilin Dobrew

Geschäftsführer/Managing Partner Enloc Energy GmbH (Enloc-Gruppe), Energieversorger der Immobilienwirtschaft, Dresden

Ilin Dobrew ist Gründer und Managing Partner der Enloc Energy GmbH. Das Dresdner Unternehmen ging im Jahr 2012 als Energieversorger am deutschen Immobilienmarkt an den Start. Aktuell betreut das Unternehmen deutschlandweit in über 300 Strom- und 100 Gasnetzen mehr als 40.000 Zählpunkte. In den Geschäftsbereichen Handel, BPO, Softwareentwicklung und Consulting beschäftigt die Enloc-Gruppe am Standort Dresden aktuell 32 Mitarbeiter. Ilin Dobrew ist in Bulgarien geboren und seit nunmehr 25 Jahren Dresdner. Nach seiner Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten begann er ein Ingenieurstudium an der TU Dresden. Seine unternehmerische Tätigkeit begann mit Abschluss seiner Ausbildung. Parallel dazu war er in leitenden Positionen bei international tätigen Unternehmen der Logistik- und Telekommunikationsbranche tätig. Neben seinem Engagement in der Enloc-Gruppe absolviert er aktuell ein Fernstudium der Wirtschaftsinformatik.

Stephan Heiler

Stephan Heiler

Geschäftsführer, Alois Heiler GmbH

Stephan Heiler ist Inhaber und Geschäftsführer der Alois Heiler GmbH, einer mittelständischen Glasmanufaktur in Baden-Württemberg. 2011 übernahm er von seinem Vater und Firmengründer Alois Heiler den Betrieb.

Stephan Heiler ist ein Chef, der „sich selbst abschafft“. Denn er ist davon überzeugt: Nur ohne Chefs sind Unternehmen den dynamischen Marktbedingungen und den Herausforderungen der Zukunft gewachsen.

Gemeinsam mit Berater Gebhard Borck hat er die Transformation der Alois Heiler GmbH hin zur formalen Führungslosigkeit in Angriff genommen. Beide zusammen haben mit „Chef sein? Lieber was bewegen! – Warum wir keine Führungskräfte mehr brauchen“ ein ehrliches Buch über ihre Erfahrungen geschrieben.

Auch in seinen Vorträgen berichtet Stephan Heiler völlig unzensiert von der Transformation der eigenen Firma hin zu formaler Führungslosigkeit und erzählt, mit allen Höhen und Tiefen, Zweifeln und Widerständen, wie herausfordernd der Weg und schwierig die Hürden waren–  und wie chancenreich das Vorhaben tatsächlich ist.

Bisherige Themen

Im Rahmen unsere „Fit für die Zukunft“-Veranstaltungsreihe finden zweimal pro Jahr Unternehmerseminare zu aktuellen Themen in Dresden statt. Externe Experten und erfolgreiche Vertreter aus der Unternehmerpraxis beleuchten und diskutieren das jeweilige Thema aus verschiedenen Blickwinkeln – mit besonderem Fokus auf den Chancen und Risiken, Möglichkeiten und Notwendigkeiten des Themas für KMU.

Einen Überblick über die Veranstaltungen und Themen der vergangenen Jahre finden Sie in unserem Archiv.

Der Veranstalter