Digitalisierung als hilfreiches Werkzeug

Tischlermeister Nico Deutschmann und sein Team sammeln digitale Erfahrungen und investieren damit in die Zukunft des Unternehmens

Die Verbindung von traditionellem Handwerk und digitaler Technik ist für Tischlermeister Nico Deutschmann (37) kein Widerspruch. Der Chef des Wilsdruffer Unternehmens „dieMeisterTischler – Deutschmann und Schöne GbR“ sieht die Digitalisierung als Werkzeug, um Produktionsprozesse in der Tischlerei und auch innerhalb eines firmenübergreifendes Bauprojektes zu beschleunigen und zu erleichtern.

Seit 2011 beschäftigen sich „dieMeisterTischler“ mit moderner Produktions- und Fertigungsplanung. So werden Modelle und Skizzen der hochwertigen Möbel und Inneneinrichtungen per 3D-System virtuell konstruiert. Das erleichtert nicht nur den Kunden die Vorstellung, wie die Möbel später bei ihnen wirken, sondern stärkt auch die Teamarbeit. „Auf die Daten können alle zugreifen, sie bearbeiten und ergänzen“, so der Handwerksmeister, der sich schon als Jugendlicher für IT und Programmierung begeistert hat.

Deutschmann und sein 25-köpfiges Team experimentieren aktuell mit dem Einsatz von Virtual-Reality-Brillen bei der Planung von „komplexen Lebensräumen“, wie er es nennt, sowie mit dem Einsatz von Scannern bei der Vermessung von Räumen. „Wir sind da noch ganz am Anfang und es gibt dabei viele Kinderkrankheiten. Häufig ist dann doch der erfahrene Fachmann der Maschine überlegen“, bekennt der Unternehmer. Doch er sieht Potenzial für das Handwerk in Verbindung mit der Digitalisierung – insbesondere beim Thema Bauplanung.

Hier liegt für ihn die Zukunft im Building Information Modeling (BIM). Ins Deutsche lässt sich der Begriff mit „Gebäudedatenmodellierung“ übersetzen. Bei der Methode werden alle Daten, Maße etc. eines Gebäudes digital erfasst. An dem digitalen Gebäudemodell erfolgt dann die Bauplanung unter Einbeziehung aller am Bau beteiligten Gewerke und Unternehmen. „Gerade bei komplexen Bauprojekten brächte eine gemeinsame Planung per BIM mehr Effizienz auf der Baustelle und dadurch Zeit- und Kostenersparnis“, ist sich Deutschmann sicher. Hier versucht er Handwerkskollegen mit ins Boot zu holen und teilt auch gern seine Erfahrungen. „Denn BIM funktioniert nur, wenn alle Gewerke daran mitwirken und den gleichen technischen Kenntnisstand dazu haben.“

Seine Erfahrungen der vergangenen Jahre haben Nico Deutschmann gezeigt, wie wichtig es ist, den Faktor Mensch beim Thema Digitalisierung und neue digitale Geschäftsmodelle nicht außer Acht zu lassen. Sei es bei Handwerkskollegen als auch bei den eigenen Mitarbeitern. „Die Herausforderung für mich als Chef besteht darin, das gesamte Team bei Veränderungen mitzunehmen und ihnen Ängste zu nehmen, dass z. B. Arbeitsplätze durch den Einzug neuer Technik wegfallen könnten. Hier muss ich immer wieder Vertrauen einwerben, dass die Neuerungen für alle Positives bringen.“ Er denkt dabei u. a. an freigewordene Zeit für die schönen – aber oftmals zeitaufwändigen und dadurch kostenintensiven – Tischlertätigkeiten wie Furnier- und Vollholzarbeiten.

Für ein kleines mittelständisches Unternehmen wie „dieMeisterTischler“ sind diese Aktivitäten in Richtung Digitalisierung eine große Kraftanstrengung – laufen sie doch neben der täglichen Arbeit. Für Nico Deutschmann sind es jedoch „lohnende Investitionen und Erfahrungen in die Zukunft des Handwerksbetriebes“.

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