New Leadership – Führung in der Arbeitswelt 4.0

Führungskräfte zwischen Fachkräftemangel, neuen Arbeits- und Führungswelten, Agilität und selbstbestimmter Mitarbeiterorganisation

In der Veranstaltungsreihe Fit für die Zukunft wollen wir den Teilnehmern Denkanstöße geben. Mit dem Thema „New Leadership – Führung in der Arbeitswelt 4.0“ am 23. Oktober 2017 ist uns das offensichtlich wieder gelungen. Knapp über 200 Unternehmerinnen und Unternehmer verschiedener Branchen, aber auch Führungskräfte von Institutionen und Vereinen waren unserer Einladung gefolgt, verfolgten gespannt den Vortrag von Dr. Josephine HofmannLeiterin des Competence Center Business Performance Management und stellv. Leiterin des Geschäftsfeldes Unternehmensentwicklung und Arbeitsgestaltung, Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), den Beiträgen der Podiumsgäste und kamen im Anschluss beim Get-together noch individuell zum Thema ins Gespräch.

Ob Arbeit 4.0, New Work, Zukunft der Arbeit… – die neue Arbeitswelt kommt unter verschiedenen Namen daher. Alle Begriffe stehen jedoch als Synonym für einen radikalen-rasanten Umbruch traditioneller Arbeitsweisen. Motor dafür ist die Digitalisierung. Die neue Arbeitswelt stellt hergebrachte Unternehmensprozesse auf den Prüfstand – von der technischen Ausstattung über Arbeitsmodelle und -zeiten bis hin zu Arbeitsort und Arbeitsweise. Dies gilt nicht nur für große Industrieunternehmen, sondern für alle Branchen – für den Handwerksbetrieb gleichermaßen wie für den Einzelhandel oder die Arztpraxis, die Steuerberatung oder auch für Institutionen.

Der eine oder andere setzt sich gerade damit auseinander, was es für ihn und sein Unternehmen bedeuten kann und welche Maßnahmen er ergreifen sollte, mancher ist aber auch schon mittendrin, gestaltet aktiv die Veränderungsprozesse und nutzt die neuen Möglichkeiten. Nicht jeder muss alles mitmachen und umsetzen oder auf jeden Zug aufspringen, der sich da gerade in Bewegung setzt. Auch das war eine Erkenntnis in der Podiumsdiskussion, z. B. von Markus Rustler, Geschäftsführer der Theegarten-Pactec GmbH & Co. KG, einem nicht unbedeutenden Player in der Welt der Verpackungsmaschinenhersteller.

Eine zentrale (Steuerungs-)Rolle bei der Gestaltung der neuen Arbeitswelt 4.0 nehmen die Führungskräfte der Unternehmen und Einrichtungen ein. Da waren sich alle Podiumsgäste einig. Um weiterhin wirtschaftlich erfolgreich zu sein, bedarf es einer neuen Führungskultur (engl.: New Leadership), die die Impulse sich verändernder Arbeits- und Produktionsprozesse aufnimmt und dabei gleichzeitig den Faktor Mensch fest im Blick behält. Es scheint zunächst paradox, aber der Faktor Mensch gewinnt in einer zunehmend digitaleren Welt immer mehr an Bedeutung. Denn, die wichtigsten, und durch Technik nicht ersetzbaren Ressourcen eines Unternehmens, sind das Wissen und die Innovationskraft seiner Mitarbeiter. Diese effektiv im Unternehmen einzusetzen, ist eine der großen Herausforderungen für Führungskräfte.

In Ihrem Einführungsvortrag mit dem Thema „Zukunftsfähige Führung in der digitalen Transformation“ skizzierte Dr. Josephine Hofmann in hervorragender Weise die aktuellen Herausforderungen der täglichen Führungspraxis und zeigte Lösungsansätze aus der angewandten Forschung und Beratung ihres Teams.

Auf Führungskräfte in einer Arbeitswelt 4.0 kommt ein fundamentaler Rollenwechsel zu: weg vom traditionellen Anführer, Entscheider und Kontrolleur an der Spitze eines hierarchisch organisierten Unternehmens hin zum Coach, Moderator, Mediator, Ermöglicher und Kommunikator innerhalb eines Netzwerks sich selbst organisierender, agiler Teams. Die Aufgabe von Führungskräften wird verstärkt darin liegen, die passenden Leute zusammenzubringen, deren Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erkennen und die Voraussetzung für ihre effiziente Zusammenarbeit zu schaffen. Dazu gehört zum einen, die notwendige Infrastruktur und entsprechende Ressourcen zur Verfügung zu stellen, sowie flexibles und selbstbestimmtes Arbeiten zu ermöglichen und den Mitarbeitern Wertschätzung und Vertrauen zu vermitteln. Hier liegt zukünftig die große Verantwortung und Aufgabe der Führungskräfte.

Auf einer ihrer letzten Folien fasste Frau Dr. Hofmann die neuen Anforderungen an Führungskräfte wie folgt zusammen:

Neues Kompetenzmodell für das Leadership 4.0

  • Medien- und Kommunikationskompetenz …um exzellente Nutzung besonders von Kommunikationsanwendungen, Social Media, zunehmend KI- und Datenbanksysteme zu realisieren
  • Shared Leaders hip: …um situatives Führen bei kulturell unterschiedlichen Mitarbeitertypen sowie bei räumlicher Distanz möglich zu machen
  • Netzwerkkompetenz und Empathie…im Umgang mit Mitarbeitern, aber auch mit externen Zulieferern, Partnern und Kunden…um Auskunft geben zu können und Lösungen mit dem Kunden zu entwickeln.
  • Coaching gewährleisten und selbst in Anspruch nehmen können… um selbst eine Weiterentwicklung zu erreichen, und Mitarbeitern adäquate Unterstützung zu geben
  • Hohe Anpassungsfähigkeiten und Flexibilität…um dauerhafte Veränderungsfähigkeit auch ganz persönlich realisieren zu können

(Unter Integration auch von http://www.munich-business school.de/insights/2017/leadership-4-0-2/)