Als Reisebegleiter der Zukunft auf der Spur

Kai Arne Gondlach, Zukunftsforscher der Denkfabrik 2b AHEAD, zeigte, dass die Zukunft nicht im Nebel liegt. Entwicklungen in der Lebenswelt lassen sich auf Basis heutiger Daten voraussagen. Aktuell schiebe sich „eine unsichtbare Software-Schicht zwischen Anwender und Anbieter“. Das bedeutet: Wo früher diejenigen die größte Macht hatten, die Hardware und Infrastruktur kontrollierten, treten neue Akteure mit hoher IT- und Datenverarbeitungskompetenz in bestehende Wertschöpfungsketten ein. Als Beispiele nannte Gondlach AirBnB als weltweit größten Hotelbetreiber – ohne eigene Immobilien – sowie Uber als größten Fahrdienst – ohne eigenen Fuhrpark.

Zudem ersetzen intelligente selbstlernende Maschinen und Programme immer mehr Experten-Jobs. „Bis 2030 werden ca. 50 Prozent der uns heute bekannten Berufsbilder ausgestorben sein“, nannte der Zukunftsforscher Zahlen. Und je besser diese Programme werden, umso mehr Vertrauen genießen sie bei den Kunden. In diesem Zusammenhang verändert sich auch die Kundenvorstellung von „Nähe“: „Von der physischen Nähe zu z. B. Kundenberatern und Filialen hin zu relationaler Nähe – also zu höherer Quantität und Qualität von Interaktionen, die auch gern digital erfolgen können“, erklärte Gondlach. Er machte den Teilnehmern Mut, sich mit ihren Geschäftsmodellen weg von Standard-Produkten bzw. Standard-Dienstleistungen zu bewegen. „Digitale Geschäftsansätze befördern die Individualisierung. Dadurch stirbt Standard aus. Es bleiben der Economy- und Premiumbereich.“ Laut Gondlach deutet sich auch schon die nächste Entwicklung im Bereich neuer Geschäftsmodelle an: adaptive Dienstleistungen und Produkte. „Diese sind individualisiert und in der Lage, sich nach Kauf oder Vertragsabschluss an die veränderte Situation des Kunden anzupassen.“ Sein Tipp an die Anwesenden lautete daher: „Stellen Sie Ihr Geschäftsmodell in Frage, bevor es Ihr Konkurrent tut!“

Eine ähnliche Empfehlung gab auch Dr. Mark von Kopp, Experte für Informationstechnologie und digitale Geschäftsmodelle bei SAP. Er empfahl kleine aber stetige Schritte hin zu neuen (digitalen) Geschäftsmodellen. „Unternehmer sollten regelmäßig außerhalb ihres klassischen Geschäfts schauen, was andere machen bzw. was es an neuen technischen/digitalen Möglichkeiten gibt“, so von Kopp. „Denn, wenn ich weiß, was technisch möglich ist, kann ich mir einen konkreten Anwendungsfall dafür überlegen und an ausgewählten Kunden erproben.“ Die Anschaffung teurer Software-Programme sei dabei gar nicht nötig. Als bezahlbare Beispiele für den Mittelstand nannte er Apps oder Tracking-Programme, mit denen sich z. B. Logistik bzw. Kundenbewegungen innerhalb des Sortiments nachverfolgen lassen.

In der Praxis: Mensch versus Technik

Wie dies aussehen kann bzw. wo es noch hakt, zeigte sich bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit drei Unternehmern. Nico Deutschmann, Tischlermeister und Geschäftsführer von „dieMeisterTischler“ in Wilsdruff, gehört zu den Vorreitern in seinem Beruf, wenn es darum geht, digitale Angebote in den Arbeitsalltag zu integrieren. So arbeiten er und sein Team seit drei Jahren mit einem 3D-Programm bei der Erstellung ihrer Inneneinrichtungsentwürfe. „Alle im Team können so auf die gleichen Daten zurückgreifen und der Kunde erhält ein rundes Bild vom Produkt“, nannte Deutschmann die Vorteile. Die Nachteile: Diese Technik verlangt eine gute Vorausplanung, der Kunde müsse konkrete Vorstellungen äußern. „Da sind wir manchmal drei Schritte schneller, als es unser Kunde mit seinen Planungen im Kopf schon ist. Und auch die Technik hat immer noch ihre Tücken“, so der Handwerksmeister. Dennoch sieht er in der Digitalisierung die Möglichkeiten zur Stärkung der Teamarbeit und zur Erleichterung einzelner Aufgaben – „so dass sich meine Leute wieder auf die schönen Seiten unseres Berufes konzentrieren können“.

Mit Skepsis betrachtet Dr. Jörg Dittrich, selbstständiger Dachdeckermeister und Präsident der Handwerkskammer Dresden, das Thema Big Data – also das Sammeln, Auswerten und Nutzen von (Kunden-)Daten. „Ein kleiner Betrieb mit drei bis sieben Mitarbeitern kann damit nichts anfangen“, sagte er in Richtung des SAP-Experten. Nannte dann aber doch Anwendungsbeispiele der Digitalisierung für kleine Bau-Betriebe: „Das Denken geht Richtung Kraft unterstützende Exoskelett-Anzüge oder Transport-Segways auf den Dächern, die die körperlich schwere Arbeit erleichtern.“

Dagegen nimmt für Guido Glinski, Geschäftsführer der MFT Motoren und Fahrzeugtechnik GmbH in Cunewalde, das Sammeln von Daten konkret Gestalt an. In einem Pilotprojekt sollen Maschinendaten abgegriffen und zur Prozessoptimierung herangezogen werden. „Damit erhoffen wir uns frühzeitige Erkenntnisse zu Betriebs- und Verschleißzustand der Maschine und können rechtzeitig reagieren. Gerade für uns als Automobilzulieferer mit hohem Kostendruck ist die Steigerung der Effizienz sehr wichtig“, so Glinski.

Es waren viele Anregungen, die die „Fit für die Zukunft“-Teilnehmer an diesem Abend mitnahmen. Im Anschluss beim Netzwerken wurden schon erste Gedanken gewälzt, wo es im eigenen Unternehmen Anknüpfungspunkte für das Gehörte gibt bzw. was so gar nicht in den eigenen Geschäftsalltag passt. „Genau das wollen wir mit unserer Veranstaltungsreihe bewirken“, freute sich Knut Michel. „Den Teilnehmern neuen gedanklichen und praktischen Input für ihren Unternehmensalltag und für den anhaltenden wirtschaftlichen Erfolg bieten.“

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