Mein smarter Kollege

Im sinnvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz liegen Chancen für den Mittelstand

Arbeiten wir alle in den kommenden Jahren mit „smarten“ Kollegen zusammen – also mit Robotern und Programmen auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI)? Eine Frage, die einen Großteil der 185 Teilnehmer der Veranstaltung „Fit für die Zukunft“ von Schneider + Partner am 16. April 2018 in Dresden beschäftigte. Das abermals große Interesse an der Veranstaltungsreihe und die zahlreichen Fragen aus dem Publikum zeigten die Aktualität des Themas in Zeiten von Digitalisierung, Industrie 4.0 und Fachkräftemangel in vielen Branchen.

Dass sich in den kommenden Jahren die Berufswelt grundlegend ändern wird, davon waren viele der Teilnehmer überzeugt. 80 Prozent stimmten bei einer Online-Umfrage zu Beginn der Veranstaltung der Aussage zu, dass es ihren heutigen Beruf zwar noch geben, er sich aber grundlegend verändert haben werde. Diese Annahme wurde durch die nachfolgenden Kurzreferate und durch die Podiumsrunde bestätigt.

Wo wir heute beim Einsatz von KI in der Arbeits- und Lebenswelt stehen, erklärte Tim Niesen, Researcher und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken. Künstliche Intelligenz sei heute auf ganz bestimmte Anwendungsfelder spezialisiert – jedoch ohne einen eigenen Willen bzw. ein tieferes Verständnis von dem zu haben, was sie tut, so Niesen. Hierbei spreche man von „schwacher KI“. Seine Voraussage des Abends lautete: „Alles, was ein Mensch in weniger als einer Sekunde Nachdenken erledigen kann, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit jetzt oder in naher Zukunft durch KI automatisiert werden.“

Der zweite Referent zeigte, wie Maschinen heute schon in Teilen die (Kunden-)Kommunikation übernehmen können. Giovanni Bruno, Geschäftsführender Gesellschafter der Berliner fokus digital GmbH, stellte Messenger/Social Bots vor und wie diese Softwareprogramme ein Gespräch simulieren, das einer Unterhaltung mit einer realen Person sehr nahe kommt.

In der anschließenden Podiumsrunde, zu der dann auch André Rauschert, Experte für Datengetriebene Geschäftsmodelle & Disruptive Technologien am Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI in Dresden hinzukam, ging es um ganz praktische Wirkungsfelder von KI – angefangen in der Medizin/Radiologie über die Anwaltskanzlei bis hin zur Buchhaltung in Unternehmen. Für die Zukunft der Berufswelt sagten alle drei Experten voraus, dass je datenlastiger und strukturierter eine Tätigkeit ist, umso eher wird sie durch KI automatisiert werden können. Der Mensch wird indes überall dort unersetzlich sein, je individueller, kreativer, sozialer und/oder traditioneller die Arbeit und die Produkte sind.

André Rauschert versuchte den anwesenden Unternehmensvertretern die Skepsis vor KI zu nehmen: Er beschrieb den Einsatz von KI als „Ergänzung zu den Mitarbeitern. Es geht darum, ungeliebte bzw. einfache aber zeitraubende Tätigkeiten auszulagern, um kreative oder soziale Arbeitskraft, die nur der Mensch leisten kann, freizumachen.“ Genau hier lägen die Chancen von KI und vor allem auch die Chancen für den Mittelstand mit sehr viel Kundennähe, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Die Teilnehmer nahmen eine Vielzahl an gedanklichen Anregungen von diesem Abend mit. Dies zeigten auch die angeregten Gespräche im Anschluss der Veranstaltung.

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