Ein Plädoyer für die Bedeutung der Unternehmenskultur für den wirtschaftlichen Erfolg

Der eine bringt seine Mitarbeiter dazu, unternehmerisch zu denken, indem er sie am Gewinn beteiligt und mit allen gemeinsam die Strategie des Unternehmens lebt. Die andere kommt neu in ein etabliertes mittelständisches Unternehmen und nimmt Mitarbeiter wie Führungskräfte mit auf eine Reise hin zu einem gemeinsam gelebten Wir-Gefühl – was sich dann nicht nur positiv auf die Stimmung, sondern auch auf das wirtschaftliche Ergebnis ausschlägt. Und der dritte schafft in seinem Unternehmen die Führungsebene ganz ab, nimmt alle Mitarbeiter als Entscheider mit in die Verantwortung – und hat damit auch noch Erfolg.

Es war eine interessante Runde, die am 13. Mai abends auf dem Podium im Congress Center des Dresdner Hilton Hotels saß und über die Themen Unternehmens- und Führungskultur diskutierte: Ilin Dobrew (Geschäftsführer/Managing Partner Enloc Energy GmbH, Dresden), Annett Gregor (Mitglied der Geschäftsleitung/Gesellschafterin bei compact Kältetechnik GmbH, Dresden) und Stephan Heiler (Geschäftsführer der Alois Heiler GmbH in Baden-Württemberg).

Schneider + Partner hatte abermals zu seiner erfolgreichen Veranstaltungsreihe „Fit für die Zukunft“ geladen. Das Thema diesmal: „Wie tickt mein Unternehmen? Erfolgsfaktor Unternehmenskultur – Eine Obstschale macht noch keine Mitarbeiterbindung.“ 170 Gäste waren der Einladung gefolgt, darunter zahlreiche Mandanten von Schneider + Partner aus dem Mittelstand. „Mitarbeiter zu finden und zu binden beschäftigt viele unserer Mandanten. Deshalb haben wir das Thema bei ,Fit für die Zukunft’ aufgegriffen. Wir wollen den Teilnehmern Impulse geben“, sagte Knut Michel, Geschäftsführer bei Schneider + Partner, in seiner Begrüßung.

Und Impulse in Form von Praxisbeispielen gab es reichlich. Jeder der drei Führungskräfte auf dem Podium hatte eine ganz eigene Geschichte zu erzählen. Doch immer ging es darum, wie sich ein Unternehmen – und auch dessen Führung – heute aufstellen muss, um auch in Zukunft für Mitarbeiter attraktiv und wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Dabei ging es dann auch nicht um Obstschalen, Sportstudio-Gutscheine oder Firmenwagen. „Solche Dinge werden mittlerweile in vielen Unternehmen von den Mitarbeitern erwartet“, wusste der Referent des Abends, Stephan Penning, zu berichten. Der Diplompsychologe sowie freier Berater vieler Vorstände und Manager hielt ein „Plädoyer für die Bedeutung der Unternehmenskultur für den wirtschaftlichen Erfolg“, wie er seinen Vortrag nannte. Zu Beginn brachte er Licht ins Dunkel, was der Begriff „Unternehmenskultur“ beinhaltet: „Die Unternehmenskultur ist der Charakter eines Unternehmens – die Summe der Gewohnheiten einer Organisation“, so Penning. Deshalb müsse die Frage immer lauten: Wie funktional sind diese Gewohnheiten für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens?

Hier hat Annett Georgie bei der compact Kältetechnik GmbH in Dresden angesetzt, als sie im Jahr 2016 im Zuge eines Generationswechsels Anteile an der Gesellschaft übernahm. Damals habe es in dem 1992 gegründeten mittelständischen Unternehmen kein wirkliches Gemeinschaftsgefühl und keine gelebte Identität nach innen und außen gegeben. Über Befragungen und deren Auswertung sowie in einem Strategie-Workshop mit den Führungskräften wurden diese Dinge erarbeitet und Ziele gesetzt. Heute stellt sich die compact Kältetechnik GmbH als moderner Mittelständler dar, der von Kunden und Mitbewerbern am Markt wahrgenommen wird. 2018 war das beste Wirtschaftsjahr in der Firmengeschichte. Und auf dem Tisch von Annett Georgie landen regelmäßig hochwertige Bewerbungen für freie Stellen und Lehrstellen.

Über einen Mangel an Bewerbern kann sich auch Ilin Dobrew, Geschäftsführer des Energiedienstleisters Enloc, nicht beklagen. Die 35 Mitarbeiter des stetig wachsenden Unternehmens mit Sitz in Dresden empfehlen ihren Arbeitgeber fleißig weiter – ein Zeichen für eine gute Unternehmenskultur. „Die Stimmung bei uns ist gut, auch weil wir viel miteinander reden“, so Dobrew. Zudem beteiligt er seine Mitarbeiter mit 15 Prozent am Unternehmensgewinn und informiert sie regelmäßig über Einnahmen und Ausgaben. „Seit wir das machen, denken alle wirtschaftlich mit, bringen sich ein und finden gemeinsam Lösungen für Probleme.“ Dieser Ansatz war für viele Teilnehmer von „Fit für die Zukunft“ sehr interessant, sodass einige im Anschluss für ein Gespräch auf Ilin Dobrew zugingen. Dem Enloc-Chef ist eine offene Unternehmenskultur sehr wichtig, auch im Umgang mit Fehlern. Sein Credo: „Fehler passieren – auch dem Chef. Aber man muss nur darüber sprechen und vor allem daraus lernen. Nur so werden wir stetig besser.“

Ein gefragter Gesprächspartner an dem Abend war auch Stephan Heiler. Der Chef der Alois Heiler GmbH in Baden-Württemberg, die auf individuelle Glaslösungen fürs Bad spezialisiert ist, ist nur noch „auf dem Papier“ Geschäftsführer – „weil es rechtlich sein muss“, wie er sagt. Seit er 2011 den Betrieb von seinem Vater übernommen hat, hat er alle Hierarchien und Führungsstrukturen abgeschafft. „Denn Hierarchien bremsen Motivation und Innovation“, so der Vordenker, der über seine Erfahrungen auch ein Buch geschrieben hat. Er nennt den Wandel einen „Transformationsprozess der totalen Umstrukturierung“ – den nicht alle Mitarbeiter mitgehen wollten. „Einige Führungskräfte wollten nicht auf ihre Führungsposition verzichten und sind gegangen“, berichtet Stephan Heiler. Mittlerweile führen sich die Miteinander selbst (sowie untereinander) und treffen 80 Prozent aller Entscheidungen (die den Alltag betreffen) allein. Für die anderen 20 Prozent rund um Struktur und Strategie gibt es funktionsorientierte Teams, die gemeinsam Entscheidungen treffen. „Das funktioniert erstaunlich gut und hat Entscheidungswege enorm verkürzt“, antwortet Heiler auf die Fragen aus dem Publikum, ob sich denn nicht alle in endlosen Abstimmungsrunden verstricken. Das Unternehmen laufe gut. Seit 2018 werden zehn Prozent vom Gewinn an die Mitarbeiter ausgeschüttet. Seine Rolle im Unternehmen sieht er als Katalysator, Mediator, Vordenker und Mentor. „Ich komme dazu, wenn Mitarbeiter mich bei Gesprächen dabei haben wollen, ansonsten kümmere ich mich um Zukunftsthemen für das Unternehmen.“

Die drei Beispiele an dem Abend von „Fit für die Zukunft“ zeigten: Es gibt keine einheitliche Unternehmenskultur und nicht DEN EINEN Prozess für ihre Entwicklung. „Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Weg finden – und jedes Unternehmen hat die Voraussetzungen, es zu tun“, so Stephan Penning. Gefragt nach „Tipps“ zu den ersten Schritten hin zu einer positiven Unternehmenskultur nannte er drei Punkte:

  1. Harte Fragen zu den harten Fakten stellen: Basis der „Kulturarbeit“ im Unternehmen ist es, die Bilanzen und Zahlen im Blick zu haben. Nur so sieht man, wo es klemmt und wo man ansetzen muss.
  2. Nicht mit Leitbildern aufhalten: Die aufwändige Erarbeitung von Leitbildern ist, laut Penning, verschwendete Zeit – stattdessen konkret werden: Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Und wie machen wir das?
  3. Schrittweise vorgehen und Mitarbeiter einbinden: Ein Wandel in der Unternehmenskultur ist ein Prozess, der Schritt für Schritt gestaltet werden muss. Auf diese „Lernreise“ müssen die Mitarbeiter bei jedem Schritt mitgenommen werden. Regelmäßige und offene Kommunikation ist hierbei wesentlich.

Im nächsten „Teamgeist“ (Ausgabe 01/2019), dem Mandanten-Magazin von Schneider + Partner, wird ausführlich über die Veranstaltung „Fit für die Zukunft“ berichtet – inklusive eines Beitrages von Stephan Penning und einem Interview mit Stephan Heiler. Der „Teamgeist“ erscheint Anfang Juli und ist dann auch online einsehbar unter: https://www.schneider-wp.de/de/aktuelles/teamgeist/

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